Offener Unterricht als Bestandteil des Konstruktivismus

Wie auch der handlungsorientierte Unterricht entspringt die Idee des offenen Unterrichts ebenfalls den Vorstellungen des Konstruktivismus. Allerdings entstand offener Unterricht als eigenes Konzept erst Anfang des Jahrtausends. Bis dahin verstand man unter diesem Begriff jegliche Unterrichtsform, die kein regulärer Frontalunterricht war. Mit der Dissertation „Offener Unterricht“ von Falko Peschel wurde erst eine eindeutige Definition geliefert.

Definition: offener Unterricht

Zum offenen Unterricht zählt die Öffnung auf verschiedenen Ebenen, wie etwa auf organisatorischer, methodischer, inhaltlicher, sozialer und auch persönlicher Ebene. Diese Ebenen sollen dem Lehrer immer wieder ermöglichen, den Lernfortschritt und die Ausrichtung des Unterrichts auf die Bedürfnisse der Schüler hin zu überprüfen. So können die Schüler selbst über ihre Organisation in Lerngruppen oder Projekten entscheiden – ebenso, wie über Ort und Zeit, an dem und zu der gelernt werden soll. Den Schülern ist dabei freigestellt, welchen Weg sie einschlagen, um zum Lernziel zu kommen, ebenso können sie selbst über die Themen entscheiden, die unterrichtet oder erlernt werden sollen. Der Lehrer sollte sich vorher darüber im Klaren sein, in welchem Rahmen die Schüler in diese Entscheidungen miteinbezogen werden sollen, diesen Rahmen eindeutig abstecken und dennoch Wert auf ein partnerschaftliches Miteinander zwischen Schülern, Eltern und sich selbst legen.

Die Formen, in denen offener Unterricht stattfinden kann, sind zum Beispiel Gruppen- und Projektarbeit, Freiarbeit, selbstbestimmtes, entdeckendes und/oder forschendes Lernen. Dazu kann zum Beispiel in den Formen des Wochenplan- oder Werkstattunterrichts unterrichtet werden. Der gewählte Ort ist natürlich auch von den gewählten Inhalten abhängig. Die Vorteile, die Peschel während seiner Forschung, in der er vier Jahre lange eine Grundschulklasse unterrichtete, herausstellen konnte, waren dabei folgende: Nach diesen vier Jahren konnten mehr Kinder ein Gymnasium besuchen, als der Schuldurchschnitt vorgab, alle Themen des Lehrplans konnten behandelt werden und Kinder, die unter anderen Umständen eine Sonderschule hätten besuchen müssen, konnten nach diesen vier Jahren in eine weiterführende Regelschule integriert werden. Weitere Vorteile beschreibt Peschel in seiner Dissertation.

Kritik am offenen Unterricht

Neben den Vorteilen, die offener Unterricht in Peschels Studie aufweisen konnte, muss sich diese Unterrichtsform auch immer wieder einiger Kritik unterziehen. So sehen zwar viele Pädagogen die Vorteile, kritisieren jedoch eine zu weite Öffnung. Sie fordern die Kombination aus offenem Unterricht mit geschlossenen Methoden, so dass zum Beispiel Grundlagen geschaffen werden können, mit denen die Schüler offen umgehen können oder damit der Lehrplan und die entsprechenden Ziele in jedem Fall eingehalten und erreicht werden können.